Steinkohlenzeche Capellenbank, Eisensteinzeche Neu-Essen IV 

 Steinkohlenzeche Capellenbank, Eisensteinzeche Neu-Essen IV 

Am heutigen Stadtwaldplatz befand sich im 19. Jahrhundert der Schacht Eduard, der Hauptschacht des Bergwerks Capellenbank / Neu Essen IV. Das Bergwerk war nahezu 100 Jahre mit wechselnder Intensität in Betrieb.

Geologische Verhältnisse

Das Bergwerk baute die Esskohlen der Flözgruppe Girondelle ab, die hier in stark gefalteter und gestörter Lagerung anstehen. Im Hangenden (= oberhalb eines der Kohlenflöze) liegt im Essener Süden ein Kohleneisenstein-Flöz, das auch auf den Nachbaranlagen Zeche Rudolph im Südwesten und Neu-Essen II (= Zeche Ludwig neu; die ursprüngliche Kohlenzeche Ludwig lag etwas nördlich an der Weserstraße) im Nordosten abgebaut worden ist. Hier auf Neu-Essen IV hatte das Eisensteinflöz eine Mächtigkeit von 0,42 bis 0,58 m. Der Eisengehalt des Roherzes lag bei 27-32%; das geröstete Erz hatte 39-46% Fe (12, 15).

Betrieb

Die Zeche begann die Kohlengewinnung mit einem Stollen, dessen Mundloch nahe Schloss Baldeney lag. Die aus dem Stollen geförderten Kohlen wurden am damaligen Ruhrufer gelagert und auf Kähnen (Ruhraaks) abtansportiert. Die Kohlenzeche Capellenbank ist immer ein relativ kleiner Stollenbetrieb gewesen. Dem Verlauf der Flöze folgend schritt der Abbau allmählich nach Norden bis etwa in den Bereich der heutigen Schillerwiese fort. Zwischendurch wurden mehrere kleine Schächte für die Bewetterung (= Belüftung) der Zeche abgeteuft. Die Aufnahme der Erzgewinnung erforderte später einen leistungsfähigen Förderschacht, der seinen Standort am heutigen Stadtwaldplatz erhielt. Hier entstanden eine Bergehalde und Betriebsanlagen (Maschinenhalle, Perdestall, Beamtenhäuser). Ferner errichtete man eine Anschlussbahn zur damaligen Zeche Langenbrahm nach Rüttenscheid. Sie überquerte die Bahnlinie von Essen nach Werden südlich des Tunnels. Die massiven Brückenpfeiler und der weitere Verlauf der Trasse sind heute noch erkennbar.

Chronik des Bergwerks

Um 1802 Beginn der Kohlengewinnung unter dem Namen „Capellenbank im Brandenbusch“. Tägliche Fördermenge 23 Ringel Kohle (= ca. 1,7 metr. Tonnen) [1]

1803 Betrieb mit unbekannter Fördermenge [1]

1817 Konsolidation (= Zusammenlegung) mit der Zeche Antonius zur Zeche „Capellenbank“ [2]

1826 Konsolidation mit der Zeche Clarenbeck zu „Vereinigte Capellenbank und Clarenbeck“ [2]

1837 Konsolidation mit der Zeche Clarenbeck zu „Ver. Capellenbank und Clarenbeck“ [1] Widerspruch zu 1826

1850 Umbenennung in „Ver. Capellenbank“. Kohlenförderung durch den Stollen. Niederlage an der Ruhr [1]

1854 Betrieb [1]

1857 Abteufen eines Förderschachtes. Beginn des Eisenstein- abbaus unter dem Namen „Neu Essen IV“ durch die Gutehoffnungshütte (GHH) [1,2]. Es werden jetzt Steinkohle und Kohleneisenstein durch zwei gesonderte Gesellschaften gefördert. 

1859 Betrieb [1] mit unbekannter Förderung und Belegschaft. Am 11. November verunglückt der Schlepper Friedrich Tauscheidt tödlich, indem er in einer Diagonale unter seinen beladenen Förderwagen gerät [3]

1861 Kohlenförderung 4.500 preußische Tonnen (= 1,000 metr. Tonnen [1]; nach [2]: 800 Tonnen), mit 5 Mann Belegschaft. Maximilian Friedrich August Anton Hubert Freiherr von Vittinghoff gen. Schell zu Schellenberg verliert durch Ent- eignung 4 Morgen Ackerland an Neu-Essen IV für Betriebsan- lagen und eine Bergehalde [2]. Das Gelände umfasst die öst- liche Ecke Franken- /Heisinger Straße (Stadtwaldplatz, Post).

1862 Die Kohlen oberhalb der Stollensohle sind fast abgebaut [1]

1863 „Sehr lebhafter Betrieb“ beim Eisensteinabbau [4]

1864 Abteufen des tonnlägigen (= in einem Flöz liegenden) Schach- tes Antonie bis 42 Lachter (88 m) Teufe und eines Fahr- und Wasserhaltungsschachte daneben etwa 500 m westlich von hier südlich der Frankenstraße [1]

1865 Auf der 38-Lachter-Sohle (= ca. 80 m Teufe) erreicht der Querschlag das 20 Zoll (52 cm) mächtige Eisensteinflöz. 145 Arbeiter fördern 89.138 To. zu 6,9 Ctr. Eisenerz [5] Als Reprä- sentant von Ver. Capellenbank wird der Rentner Christ Flashoff in Essen genannt, der auch die Zechen Ver. Hitzberg in Bredeney und Handsbraut bei Werden betrieb. Repräsen- tant für Neu-Essen IV ist der Kommerzienrat Hugo Haniel in Ruhrort als Anteilseigner der GHH [6]

1866 Neu-Essen (Capellenbank) fördert mit 129 Mann 88.538 To. Eisenstein zu 6,9 Ctr. [7] Freiherr von Vittinghoff Schell gen. Schell, verliert durch Enteignung weitere 3 Morgen Acker- land an die GHH zur Erweiterung der Halde nach Osten [2]

1867 Nach dem Tod von Christ Flashoff ist nun der Kaufmann Hugo von Gahlen in Düsseldorf Repräsentant der Grube Ver. Capellenbank; für Neu-Essen IV weiterhin Hugo Haniel [8] Kohlenförderung 2.145 t sowie Erz [1]

1869 Ver. Capellenbank liegt in Fristen (ist vorübergehend stillge- legt) [1] und wird im Gegensatz zu Neu-Essen IV nicht mehr in der Liste der betriebenen Bergwerke aufgeführt [9]

1875 Kohlenförderung 4.152 t mit 19 Mann Belegschaft. Kohlen- vorräte oberhalb der Stollensohle erschöpft. Einstellung des Kohlenabbaus. Erwerb durch Zeche Ludwig (GHH). Fordfüh- rung als Eisensteinzeche [1] Repräsentant von Neu-Essen IV ist Direktor Carl Lueg zu Oberhausen [10] Eisensteinför- derung 74.015 t, zugleich Maximum in der Geschichte der Zeche. [14]

1876 10.009 t Eisenstein, 67 Arbeiter [14]

1880 6.200 t Eisenstein, 53 Arbeiter und 2 Grubenbeamte [14]

1881 4.399 t Eisenstein mit 52 Mann Belegschaft [11]

1883 1.252 t Eisenstein [13]

1884 Betriebseinstellung zu Beginn des Jahres [13]

1886 Neu-Essen IV wird im Verzeichnis der betriebenen Bergwerke nicht mehr aufgeführt.

1891 Wiederaufnahme der Eisensteingewinnung. Erzförderung 1891/92 = 2.183 t, 1894/95 = 15.503 t, 1895/96 = 24.436 t, 1896/97 = 35.347 t [13]. Diese Angabe von Sartorius sind wegen der eigenartigen Zeitintervalle mit etwas Vorsicht zu behandeln. In den amtlichen Statistiken des Oberbergamts Dortmund, die auch Sartorius zugänglich waren, sind die Fördermengen stets auf das Kalenderjahr bezogen worden. Außerdem verwundert der Umstand, dass in den Verzeich- nissen der betriebenen Bergwerke Neu-Essen IV im Gegen- satz zu Neu-Essen II (Ludwig) 1895 und später nicht mehr erscheint. Auch eine statistische Addition der Fördermenge unter Neu-Essen II kommt nicht in Betracht, weil beide Berg- werke in unterschiedlichen Revieren (Werden bzw. Süd-Essen) lagen. Nicht zuletzt gibt auch Oberste-Brink für Neu-Essen IV als Betriebsdaten 1857 – 1883 an [15] Es ist anzunehmen, dass nach 1883 kein Abbau mehr stattgefunden hat. 

1897 Bau der Anschlussbahn von der Schachtanlage am Stadt- waldplatz über die Zeche Langenbrahm zum Bahnhof Rüttenscheid [13]

1899 Stilllegung des Bergwerks und Abriss der Betriebsanlagen [13]

Die letzten 3 Angaben von Sartorius [13] sind sehr zweifelhaft:- Die fehlenden Nennungen von Neu-Essen IV (Capellenbank) in den Listen der betriebenen Bergwerke und der Förderstastistiken deuten stark darauf hin, dass nach 1883 kein Betrieb mehr stattgefunden hat. Das bedeutet nicht, dass die vorhandenen Betriebsanlagen sofort abgebrochen und die Schächte verfüllt wurden. Das Bergwerk könnte zunächst auch in Fristen gelegen haben mit der Option, den Betrieb unter besseren wirtschaftlichen Verhältnissen später wieder aufzunehmen.

– Auch die stark fallenden Förderzahlen während der letzten Betriebsperiode sind vor dem Hintergrund der begrenzten und geologisch ungünstigen Lagerstätte und der zunehmenden Konkurrenz anderer Erzreviere ein Hinweis auf diesen Zeitpunkt der Betriebseinstellung.

– Ferner gewinnt der Hinweis von Sartorius [13] dass „noch 2 Jahre vor der Außerbetriebssetzung“ … mit bedeutenden Kosten eine Anschlussbahn nach dem Bahnhofe Rüttenscheid der Strecke Steele-Heißen hergestellt“ (Zitat) worden ist, angesichts dieses Datums an Glaubwürdigkeit. Die Linie Heißen-Rüttenscheid mit einer späteren Verlängerung über Rellinghausen nach Steele wurde 1872 von der Rheinischen Bahngesellschaft errichtet [16] Vom Bahnhof Rüttenscheid aus führten ein nördlicher Anschluss zur Zeche Neu-Essen II (Ludwig), ein südlicher zur Zeche Langenbrahm in Rütten- scheid und nachfolgend zur Zeche Neu-Essen IV (Capellen- bank) [16] 1877 wurde die Bahnlinie Werden-Essen gebaut.

– In einer Karte der Eisenbahnen, Bergwerke und Hütten von 1890 [16] ist besagte Anschlussbahn zwischen Langenbrahm und Neu-Essen IV nicht mehr (oder noch nicht?) vorhanden. 

– In einem Brief der Rentei Vittinghoff-Schell an den Rechtsanwalt und Notar Georg Heinen vom 17.09.1897 [2] findet sich der Satz: „Der Bergwerksbetrieb ist dort längst eingestellt, der Schacht zugefüllt, Gebäude und Maschinen sind abgebrochen. 

1898 Am 15. Dezember verklagt Vittinghoff-Schell die GHH vor dem Königlichen Landgericht Essen.

1899 Vittinghoff-Schell erhält von der GHH die 1861 und 1866 zur vorübergehenden bergbaulichen Nutzung enteigneten 7 Mor- gen Land zurück. Zur Wiederherstellung des ursprünglichen Zustandes bietet GHH wahlweise an, die Halde durch den Essener Unternehmer Kleinjohann für 1 Mark /m3 abtragen zu lassen oder der Renteikasse einen Betrag von 24.000 Mark zu überweisen. Weiterhin sieht der geschlossene Vergleich eine Entschädigung von 3.500 Markt für Minderwert und entgangene Pacht vor. GHH beendet das Verfahren durch Überweisung von 27.500 Mark an die Renteikasse [2]

Die Bergehalde hat somit ein Volumen von etwa 24.000 m3 gehabt. Während der gesamten Betriebsdauer hat die Zeche Neu-Essen IV (Capellenbank) ca. 511.000 t Kohleneisenstein gefördert [15]

Quellennachweis im Archiv der Bürgerschaft nachzulesen.

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