Der Bahnhof Rellinghausen

An dieser Stelle, wo sich nun der ALDI-Lebensmittelmarkt befindet, stand einst der Bahnhof “Rellinghausen”.

Der Geh- und Radweg skizziert heute noch genau den Verlauf der damaligen Bahntrasse, die in Richtung Westen über Rüttenscheid nach Mülheim-Heißen und in Richtung Osten über Steele nach Dahlhausen-Ruhr reichte.

Auf Rellinghauser Gebiet fand man allerdings die erste Station im heutigen Stadtwald (damals “Heide”) vor. So eröffnete die Bergisch-Märkische-Eisenbahngesellschaft im August des Jahres 1877 die erste Strecke von Essen über Rellinghausen nach Werden und weiter bis Düsseldorf.

Kurz vor dem Bahntunnel unterhalb des heutigen Stadtwaldplatzes wurde eine “Haltestelle am Isenbergtunnel” eingerichtet, welche im Laufe der Jahre in “Station Rellinghausen” und später in “Rellinghausen-West” umbenannt wurde (heute “Essen-Stadtwald”).

Da die Nutzung der Strecke zur Güterbeförderung bzw. die Einrichtung einer Güterstation von der Eisenbahngesellschaft abgelehnt wurde, verfolgte die Gemeinde Rellinghausen mit großem Interesse die Pläne der konkurrierenden Rheinischen-Eisenbahngesellschaft zur Erschließung des rheinisch-westfälischen Industriegebietes.

So erfolgten am 1. September 1866 Streckeneröffnungen von Duisburg nach Mülheim und weiter bis Heißen. Im Osten wurde bis zum 5. Dezmber 1867 eine Verbindung über Essen-Nord bis zur Zeche “Holland” in Wattenscheid geschaffen.

Nun wurde beabsichtigt, eine sog. Querverbindung von Heißen über Rüttenscheid, Rellinghausen

nach Steele zu errichten, um den Güterumschlag vor allem an Kohlen u. Eisenerz auch aus dieser Region zu erschließen. Die Gemeindeverordneten und Gewerbetreibenden von Rellinghausen richteten am 5. November 1874 ein umfangreiches Bewerbungsschreiben an die Eisenbahngesellschaft nicht ohne die zu dieser Zeit schon bestehenden zahlreichen Gewerbebetriebe zu benennen. Insbesondere wurde auf die in der Nähe gelegene Eisengießerei und Maschinenfabrik R.W. Dinnendahl sowie die schon existierenden Kleinzechen “Vereinigte Schellenberg”, “Schnabel ins Osten”, “Schnabel ins Westen” und “Kunstwerk” verwiesen.

Die landespolizeiliche Abnahme der Verbindung Steele-Rellinghausen-Rüttenscheid (5,76 km, 1 Gleis) erfolgte am 27. Mai 1878 und die Eröffnung – zunächst nur als Güterzugstrecke – konnte am 15. Juni 1878, etwa sechs Jahre, nachdem die Strecke von Heißen nach Rüttenscheid gelegt war ( 1. Juli 1872, 5,43 km, 1 Gleis) vollzogen werden.

Die Einrichtung der Personenhaltestelle “Rellinghausen-Nord” erfolgte am 1. Januar 1880 noch weit vor der von der Gemeinde so dringlich eingeforderten Güterstation. Erst nach Übernahme einer für die Gemeinde recht großen finanziellen Eigenleistung in Höhe von 23.845 Reichsmark zur Errichtung des Zufahrtweges zur Güterstation, konnte die Güterabfertigungsstelle am Bahnhof zum 1. November 1895 eröffnet werden.

Das um die Jahrhundertwende steigende Verkehrsaufkommen (1900 wurden im Personenverkehr 29.587 Fahrkarten verkauft und 1907 im Güterverkehr 180.948 t befördert) sowie die zunehmende Industrialisierung auch im südlichen Ruhrgebiet – besonders durch steigende Fördermengen der Zechen – erforderte den zweigleisigen Ausbau des Streckenverlaufs. So von Heißen nach Rüttenscheid am 20. April 1914, nach Rellinghausen am 01. Oktober 1915 und nach Steele-Süd am 01. Oktober 1916.

Damit konnte der Kohlentransport von der Zeche “Langenbrahm” ohne Behinderungen für den Personenverkehr nach Heißen abgefahren werden. Letzter verkehrte nach einem Fahrplan des Jahres 1931 tagsüber immerhin 17 Mal auf der Strecke von Hattingen über Steele-Süd, Rellinghausen nach Rüttenscheid.

Nachdem eine letzte Offensive gegen Ende des zweiten Weltkrieges versucht hatte, durch die Sprengung der beiden Ruhrbrücken von Steele-Süd nach Altendorf-Ruhr und von dort nach Dahlhausen-Ruhr, den Vormarsch der Alliierten hier zu stoppen, wurde nach dem Krieg diese Unterbrechung nicht wiederaufgebaut. Somit litt sicherlich die Attraktivität der Verbindung, die nun nur noch von Heißen bis Steele-Süd befahren wurde.

In den fünfziger Jahren des zwanzigsten Jahrhunderts wurde fast ausschließlich der “Berufsverkehr” und der Kohlentransport der hier ansässigen Zechen “Langenbrahm” und “Gottfried-Wilhelm” abgewickelt.

Der Personenverkehr auf der Strecke Heißen-Rüttenscheid-Rellinghausen-Steele-Süd wurde im Zeitraum der Zechenschließungen von “Gottfried-Wilhelm” (ab 1958 Verlegung der kompletten Förderung zur Zeche “Carl Funke”) und Langenbrahm (31. 3. 1966) am 30. Mai 1965 eingestellt.

Bis Ende der achtziger Jahre erfolgte noch eine Güterzugbedienung des hier befindlichen Betriebes für Metallrecycling. 1988 wurden dann die Gleise auf der Relation Rüttenscheid-Rellinghausen entfernt. Das noch recht gut erhaltene Bahnhofsgebäude nebst Güterschuppen verfiel in den neunziger Jahren und wurde schließlich im Frühjahr des Jahres 2006 endgültig abgerissen.

Dem heutigen “Spurensucher” offenbart sich neben noch vielen vorhandenen Kilometersteinen entlang der Strecke, der noch existierende zugewachsene Bahnsteig zum ehemaligen zweiten Gleis Richtung Rüttenscheid sowie der Sockel des Einfahrtsignals nach Rellinghausen in Höhe der Brücke über der Straße “Am Glockenberg”.

Die Restaurierung des nebenstehenden Original-Prellbocks wurde dankenswerter Weise ermöglicht durch eine großzügige Spende der Firma Aldi GmbH & Co KG.

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