Gottfried-Wilhelm-Kolonie

 Die Gottfried Wilhelm Kolonie wurde nach den Plänen des Essener Architekten Oskar Schwer ab 1909 im Auftrag der Essener Steinkohlenbergwerke AG als Bergarbeiterkolonie erbaut. Sie diente als Wohnstätte für die Bergarbeiter der im nahegelegenen Schellenberger Wald befindlichen Zeche gleichen Namens.

Seit Mitte 1909 erfolgte blockweise die Bebauung, beginnend mit dem südwestlich, in Richtung des Rellinghauser Ortskerns gelegenen Areals an der Kreuzung der Liafburgastraße mit der heutigen Sartoriusstraße, und wurde bis 1913 in östliche Richtung fortgesetzt. Die offene Bauweise der Kolonie folgt dem Bild einer gewachsenen, dorfähnlichen Ansiedlung aus kleinen privaten Hauseinheiten „im Landhausstil“ (Oskar Schwer). Der variantenreiche Städtebau nutzt gerade und gekrümmt verlaufende Straßenzüge und vermeidet im Sinne des dörflichen Charakters weitgehend repräsentative, auf Symmetrie basierende städtebauliche Muster.

Der ausgesprochene Abwechslungsreichtum der Architektur trägt seinerseits zum lebhaften Eindruck des Viertels bei, obwohl sie letztlich aus nur zwei verschiedenen Haustypen besteht, die durch ihre Anordnung in zehn verschiedenen, wiederkehrenden Gruppen und die Vielzahl der von Schwer genutzten Dachformen variiert werden. Hauszeilen unterschiedlicher Länge aus traufständigen Reihenhaustypen werden dabei an den Seiten in der Regel von zweigeschossigen Bauten abgeschlossen.

Errichtet sind die Häuser in Massivbauweise aus Ziegeln, die Kellerdecken bestehen aus Kiesbeton zwischen Eisenträgern, die Fußböden aus Holz mit einer dämmenden Schüttung aus Schlacke. Jede Wohnung der für ein oder zwei Familien geplanten Häuser hatte einen separaten Eingang, einen kleinen Stall zur Haltung von Kleintieren, eine Toilette (mit einer Sickergrube, während die Abwässer in die Kanalisation geleitet wurden), Kellerräume sowie im Innern der Blöcke einen Nutzgarten, der auch als Erholungsraum genutzt wurde.

Die Kolonie war schon von den Zeitgenossen viel beachtet worden. Ein Modell der Siedlung war im August 1910 auf der „Internationalen Städtebau-Ausstellung“ in Düsseldorf ausgestellt und in dem 1925 erschienenen Essener Band in der Reihe „Deutschlands Städtebau“ mit einer Abbildung gewürdigt worden. 

Seitdem die Privatisierung der Häuser vorgenommen wurde, hat das ursprüngliche Bild der Siedlung erheblich gelitten. Die einheitliche Farbe der mit Muschelkalk gespritzten Putzfassaden, die kleinen Veranden der Reihenhäuser, Türen und Fenster sowie der Baumbestand sind bis auf wenige Ausnahmen verloren gegangen. Unter Denkmalschutz steht hingegen die als Siedlungszentrum erscheinende ehemalige Schule in der Rübezahlstraße, die als Kunsthaus soziokulturelle Einrichtungen sowie Künstlerateliers beherbergt.

Text: Prof. Dr. Thorsten Scheer

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